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Rauhnacht

Drama am Thurmbachhof


Ein ehrgeiziges Projekt hatten sich Martina Keiler, die Regisseurin und Teamleiterin der Volksbühne Aschau, und ihre ganze Equipe vorgenommen. Die Hofchronik und das 1919 von Rudolf Greiner geschriebene Theaterstück "Die Thurnbacherin" bildeten das Rohmaterial für die Stuttgarter Schauspielerin und Theaterautorin Christina Kühnreich. Daraus entstand das Freilichtspiel Rauhnacht – Drama am Thurmbachhof, das die Volksbühne im Sommer 2009 vor der eindrücklichen Kulisse dieses Thurmbachhofes zur Aufführung brachte, zur Uraufführung.

Rauhnacht oder Rauchnacht werden zwölf Nächte vom 21. Dezember bis zum Dreikönigstag genannt. Um diese Nächte ranken sich viel Mythologie und viel Brauchtum. Insbesondere sollen in diesen Nächten Geister erscheinen, Seelen wiederkehren, und mancher soll dem Leibhaftigen begegnet sein. Das Stück ist in der für Tirol schwierigen Zeit um 1815 angesiedelt und beginnt mit dem mysteriösen (Unfall-?) Tod des jungen Thurmhofbauers Simon in der ersten Rauhnacht. Seine Frau, die einmal als Magd an den Hof kam, hat nun das Sagen.

Es entwickelt sich ein richtiges Drama, bei dem es um Liebe und Leidenschaft, Hochmut und Haß, Eifersucht und Sehnsucht, Ansprüche und Macht geht. Die junge, stolze, herrische Bäuerin Katarina, die ein Geheimnis mit sich trägt und damit die ganze Hofgemeinschaft belastet, setzt sich durch. Auch wenn sie in ihrem herrischen Gehabe etwas beigeben muß, als die dunkle Vergangenheit an den Tag tritt, behält sie doch den berechtigten Stolz der Verletzten und des Opfers. Was dann kurz vor Schluß nach einem sich anbahnenden Happy-end aussieht, nimmt genau diese Wendung nicht. Das Drama endet recht kantig mit einem weiteren, gewaltsamen Tod und mit der Offenlegung aller Verstrickungen von Familie und Bediensteten. Es gibt nicht einmal die Versöhnung, aber doch wenigstens die Aussicht darauf, daß nun am Thurmbachhof Frieden einkehren kann. Wohlgemerkt: einkehren kann, nicht eingekehrt ist!

Mit Elementen wie Bauerndrama am Thurmbachhof, Tirol um 1815, mysteriöser Tod in der Rauhnacht und Stück einer Laienbühne könnte man rasch zur Einsortierung in die Schublade "Luis Trenker im Freilichtspiel" neigen. Nichts wäre ungerechter als das! Das tragische Spiel von Christina Kühnreich ist von hoher Qualität, inhaltlich wie sprachlich. Die Regiearbeit von Martina Keiler verdient höchstes Lob. Sie verstand es, die zum Teil sehr anspruchsvollen Rollen richtig zu besetzen, sie führt die Figuren präzise und zügig, und sie weiß die herrliche Kulisse des Thurmbachhofes ganz geschickt zu nutzen. Die musikalischen und gesanglichen Elemente überzeugten. Die Leistungen der Darsteller – alles Aschauerinnen und Aschauer – sind hervorragend. Besonders herauszuheben sind Christina Geisler als Katarina und Helga Keiler als Elisabeth, die Altbäuerin. Sie wurden ihren großen, schwierigen Rollen vollauf gerecht. Auch alle andern Mitglieder des Ensembles boten bestes Theater und wirkten in den durchwegs dramatischen Rollen stets glaubwürdig.

Mit diesem neuen und wertvollen Theaterstück hat die Volksbühne Aschau einen herausragenden Beitrag zum 700-Jahr-Jubiläum unserer Partnergemeinde beigesteuert. Gleichzeitig haben alle Akteure auch gezeigt, daß Theater durchaus im bäuerlichen Milieu angesiedelt sein kann, im Charakter als Heimattheater wirken darf und dennoch unglaublich modern sein kann.

Herzlichen Glückwunsch an alle Mitwirkenden der Volksbühne Aschau und insbesondere an Martina Keiler für den Mut und die Ausdauer, dieses Drama am Thurmbachhof vor diesen und auf die Bühne gestellt zu haben.

04.08.2009 RM


Hier geht es zum Beitrag von ORF Tirol [42162 KB] über die Freilichtaufführung der Volksbühne Aschau.