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Schnägge und Schnäggedorf

Vorbemerkung


Von Zeit zu Zeit tauchen die Fragen auf, was es denn mit dem Oberwiler Necknamen Schnägge für eine Bewandtnis habe und ob man denn angesichts der Stadt – wenigstens nach den Kriterien der Statistiker – (noch) vom Schnäggedorf reden dürfe. Gerade nach der Fasnacht 2008, in der man mich im Zusammenhang mit meinem bevorstehenden Rücktritt sogar zum Schnäggekönig befördert hat, fühle ich mich besonders gefordert, auf diese Fragen einzugehen.

Zum Oberwiler Necknamen


In unserer Gegend – d.h. in der Nordwestschweiz, im Elsaß und sicher in Südbaden – haben die Gemeinden und vor allem ihre Einwohner einen Necknamen. So finde ich in einer Broschüre für Neuzuzüger aus dem Jahre 1981 bereits eine Rubrik mit dem Titel D'Oberwiler si Schnägge. In dieser Rubrik wird noch angeführt, daß die Oberwiler in einer Aufzeichnung aus dem Jahre 1879 Katzenwadel genannt werden. In der Oberwiler Heimatkunde vom Jahre 1989 findet sich zwar kein Beitrag zum Scherznamen Schnägge, doch in seinem Geleitwort braucht mein Vorgänger Gemeindepräsident Henri Gutzwiller explizit diesen Ausdruck. Das 'Baselbieter Wörterbuch' (2001, Christoph Merian Verlag) enthält ein Kapitel mit allen Necknamen der Baselbieter Gemeinden. Auch in diesem Verzeichnis wird für Oberwil Chaatzewadel und Schnägge angeführt. Übrigens sind die Allschwiler Chruttstoorze, die Schönenbüchler Oomäiseler, die Binninger Wääiechöpf, die Bottminger Brootfrässer, die Benkemer Schingge, die Bielemer Stäggestregger, die Therwiler Nüünenüünzger und die Ettinger Gugger. Eigentlich ist es schade, daß diese Dorfübernamen teilweise verlorengehen.

Oberwil_Engler_Schnägg

Doch in Oberwil lebt der Dorfname ganz kräftig weiter. Wer das nicht wahrhaben will, der ist kaum in der Gemeinde unterwegs. Es gibt beispielsweise zwei Plastiken, die den Schnägg zum Thema haben: Der Brunnen vor dem neuen Coop und Joggi Englers Kunstwerk am Treppenaufgang zum Wehrlin-Schulhaus. Der Dorfname lebt aber auch in vielfältigen anderen Bezügen. So benutzen die Schulen den Schnägg in mehreren Formen ganz gerne, und es gibt private Gruppierungen und Vereine, die ihn in ihrem Logo oder gar in ihrem Namen führen. Und wer es immer noch nicht glaubt, daß wir d Schnägge sind, der muß seit Jahrzehnten die Oberwiler Fasnacht verpaßt haben.

Bei unserem Gemeindehistoriker Joseph Baumann habe ich d Schnägge in den Texten nie gefunden; aber ich weiß aus persönlichen Gesprächen, daß er diesen Necknamen umgangssprachlich durchaus auch verwendet. Für den langjährigen Bürgergemeindepräsidenten Peter Hügin, der unser Volkskundler par excellence war, waren die Oberwiler ebenfalls d Schnägge. Ich hatte mich mit ihm einmal eingehend über die Herkunft des Namens unterhalten. Auch er konnte mir keine abschließende Erklärung liefern. Doch vermutete er, daß es in der früheren Rebgemeinde Oberwil bei unserer Bodenbeschaffenheit besonders viele Weinbergschnecken – und der Oberwiler Schnägg ist eine Weinbergschnecke – gegeben haben muß. Auch der alte, allseits bekannte Flurname Schnäggebärg darf als Hinweise darauf verstanden werden.

Und nun zum Schnäggedorf. Im Herbst 2005 konnte Oberwil die 10'000. Einwohnerin begrüßen. In diesem Zusammenhang publizierte der Gemeinderat am 01.12.2005 u.a. folgendes: 'Damit ist das Dorf – zumindest aus statistischer Sicht – zur Stadt avanciert. Dennoch strebt Oberwil den Stadtstatus nicht an, sondern möchte weiterhin Gemeinde bleiben.' Damit ist wohl alles gesagt, was es zum Schnäggedorf zu sagen gibt.

Ich freue mich auf jeden Fall, daß d Schnägge ihr "Wappentier" so gerne haben, denn das zeigt, daß es ihnen in Oberwil wohl ist und sie sich gerade auch auf diesem Wege mit ihrer Wohngemeinde, ob nun eher Dorf oder eher Stadt, identifizieren.

Eine Bemerkung zur Rebgemeinde


In der Heimatkunde von 1989 (Seite 59) findet sich folgender Text von Josef Baumann:

Reben befanden sich in allen drei Zelgen. Dazu ein Spruch:

D' Räbe
Hinterbärg und Vorderbärg,
Hänslisräbe, Schnäggebärg,
Halle, Stalle, Lätte, Thal,
Sin d'Oberwiller Räbe überall.



Rudolf Mohler, Gemeindepräsident
Oberwil, 23.02.2008


(Publiziert im BiBo vom 28.02.2008)