... und das Thema Thujon?



... ist in der ganzen Absinthe-Diskussion unumgänglich. Die Frage nach dem Wirkstoff Thujon hat die ganze Absinthe-Kultur geprägt: von den Künstlern, die sich etwas davon versprochen haben, bis hin zu den Frauen- und der Antialkoholikerbewegungen der vorletzten Jahrhundertwende, die mit dem Argument Thujon das Absinthe-Verbot durchgesetzt hatten.

Grundsätzlich gilt es anzuerkennen, daß Thujon ein Hauptwirkstoff im Absinthe ist, der durchaus ein psychoaktives Nervengift ist. Das Thujon wird verantwortlich gemacht für die Steigerung der Kreativität und der Libido. Zudem wirkt es anerkanntermaßen als Stimmungsaufheller.



Flüssiges Haschisch

Neuere Forschungen haben ergeben, daß Thujon eine ähnliche Wirkung wie Haschisch erzeugt, da es im Hirn die gleichen Rezeptoren verwendet wie der Wirkstoff THC (Tetrahydrocannabinol) im Cannabis. Früher als alle modernen Forscher muß der französische Schriftsteller Emile Zola bereits im 19. Jahrhundert die Sache geahnt haben, denn in seinem Roman Soeur Philomène redet er vom Absinthe als flüssigem Haschisch.
EU-Regel ...

Die EU hat den gesetzlichen Höchstwert auf 35mg/kg festgesetzt. Was das in bezug auf die degustative Qualität der heutigen Absinthe gegenüber den Absinthe vor Jahrzehnten bedeutet, ist schwierig zu sagen. Man weiß heute nicht genau, wie hoch der Thujon-Gehalt in den Absinthe früherer Zeiten war. Es gibt fachmännische Vermutungen, die von einer Spanne von 60 – 250 mg/kg ausgehen.
... et le pays natal de l' Absinthe?

Die Schweizerische Eidgenossenschaft hat die gleiche Regelung wie die EU beschlossen. Hier können Sie in einem Auszug aus dem eidg. Lebensmittelrecht nachlesen, wie das in der Schweiz geregelt ist.
Regel eines Weisen

Eines kann man aber als gesichert ansehen: Mit der heutigen Regelung ist der Thujongehalt in den Absinthes völlig unbedenklich. Fachleute sind der Meinung, daß man sich viel schneller mit dem Alkohol im Absinthe als mit dem Thujon umbringen kann. Und wer will sich denn schon umbringen? Absinthe-Liebhaber ganz sicher nicht, die wollen alle noch viele Jahre La Bleue und La Fée verte genießen.

Es gilt auch hier der Satz des guten, alten Paracelsus in dieser Version:

"All Ding' sind Gift und nichts ohn' Gift; allein die Dosis macht, das ein Ding kein Gift ist."




Ins Kräuterbüchlein geschrieben


Und nun wird es immer noch wackere Streiterinnen und Streiter gegen den Absinthe geben, gegen dieses Teufelszeug. Sie werden die Gefährlichkeit des flüssigen Haschischs ins Feld führen, da ja das Nervengift Thujon darin vorkomme. Selbst wenn die Lebensmittelfachleute in der Schweiz und in Europa genau geprüft haben, was verträglich ist. Und auch Paracelsus wird sie vom Kampf gegen den Absinthe nicht abhalten.

Ihnen allen sei deshalb etwas ins Kräuterbüchlein geschrieben.
Ab sofort sind verboten:


à la Provençale denn der Thymian enthält ebenfalls Thujon.
Großmutters Schweinebraten da auch im Rosmarin Thujon vorkommt.
Saltimboca weil Salbei dummerweise auch Thujon enthält.
Umschläge und Einschlaftee mit Beifuß denn Beifuß enthält nicht nur Thujon, das Teufelszeug gehört sogar zur Gruppe der Artemisia-Gewächse!!!
mit Alpenbitter gegen Magenverstimmung Auch wenn die Rezepte geheim sind, dürften alle Alpenbitter, Pfarrer Künzli-Kräuterliköre, Braulio und wie sie alle heißen, Wermut enthalten. Woher sollten sie denn sonst die angenehme Bitterkeit herhaben?




... und weiter im Text


Absinthe-Kultur
Absinthe-Kult
Fakten

Informationen zum Umgang mit Absinthe und zu seiner Geschichte finden Sie hier:

Pastis-Liebhaber


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